Montag, 9. März 2026, 11.00 Uhr, Thunplatz Bern
Seit Beginn dieses Jahres schieben die ägyptischen Behörden eritreische Geflüchtete mit brutaler Gewalt nach Eritrea ab. Viele von ihnen leben seit Jahren im Land und besitzen eigentlich einen von der UNO anerkannten Flüchtlingsstatus. Dennoch werden sie derzeit systematisch festgenommen, inhaftiert – darunter auch Kinder – und nach Eritrea abgeschoben.
Die ägyptischen Behörden gehen mit aussergewöhnlicher Härte vor. Polizei und Sicherheitskräfte suchen Geflüchtete gezielt in ihren Wohnungen oder an ihren Arbeitsplätzen auf und nehmen sie fest. Wer versucht zu fliehen, wird verprügelt. Zahlreiche Betroffene landen in Gefängnissen, andere werden direkt abgeschoben.
Für viele der Abgeschobenen bedeutet die Rückkehr nach Eritrea grosse Gefahr. Sie werden in ein Land zurückgeführt, aus dem sie vor politischer Verfolgung und dem autoritären Regime geflohen sind. Es drohen ihnen Repressionen, Zwangsdienst oder erneute Inhaftierung.
Die systematische Festnahme und Abschiebung von Geflüchteten in Ägypten kann nicht losgelöst vom Einfluss der EU betrachtet werden. Im März 2024 unterzeichneten die EU und Ägypten eine umfassende Partnerschaft, welche u.a. auch die Finanzierung der «Bekämpfung irregulärerer Migration» sowie «Rückkehr und Re-Integration» beinhaltet. Über 200 Millionen Euro bezahlt die EU an Ägypten, um Migrant*innen und Geflüchtete abzufangen, lange bevor sie die territorialen Grenzen des Schengenraums erreichen. Wenn also eritreische Geflüchtete illegal nach Eritrea deportiert werden, passiert das auch im Namen Europas.
Solche Abkommen gehören zum Standardrepertoire der europäichen Migrationsbekämpfung. Mit der kürzlich verabschiedeten gesamteuropäischen (Anti-)Asylstrategie schafft die EU ausserdem die Grundlagen für geschlossene Lager an den Aussengrenzen, umfassendere und einfachere Abschiebungen aus dem Schengenraum, weitere Aufrüstung der Polizei sowie weitere vergleichbare Migrationsdeals mit Ländern des sog. globalen Südens.
Die Situation eritreischer Geflüchteter in Ägypten zeigt die Folgen der Politik: Keine Bleibefreiheit, sondern die Menschen werden kriminalisiert, eingesperrt und ausgeschafft. Jeden dieser Akte gilt es sichtbar zu machen und dagegen zu kämpfen – in internationaler Solidarität. Gemeinsam wird mit der Kundgebung ein Zeichen gegen diese Zwangsabschiebungen gesetzt werden.
Quellen: No Safe Haven.. Unprecedented Security Crackdown Against Forcibly Displaced People Residing in Egypt.. Status Report for the Duration of December 20th, 2025 to January 31st, 2026, Refugee Platform Egypt, 24.02.2026
https://rpegy.org/en/editions/no-safe-haven-unprecedented-security-crackdown-against-forcibly-displaced-people-residing-in-egypt-status-report-for-the-duration-of-december-20th-2025-to-january-31st-2026/
Externalizing Migration Control to the MENA Region: Egypt, Tahrir Institute, 01.05.2025
https://timep.org/2025/05/01/externalizing-migration-control-to-the-mena-region-egypt/
